Beschreibung der Videos

Es läutet der klangvolle Dur-Akkord der Reformierten Kirche Heiden im Appenzellerland.

Stimmung: A° cis' e' a'
Giesser: Josef Anton, Grassmayr, Feldkirch
Gussjahr: 1840

Geschlossenes Gesamtgeläut, das im Zusammenhang mit dem berühmten klassizistischen Neubau der Kirche angeschafft wurde.
Die künstlerische Gestaltung der Glocken zeigt unter anderem figürlich umgesetzte Darstellungen von Hoffnung, Vergänglichkeit, Glaube und Liebe.
Für eine Reformierte Kirche in dieser Gegend eher unüblich wurden die Glocken damals bei Josef Anton Grassmayr in Feldkirch bestellt.

Seit 1612 existiert in Heiden eine reformierte Kirche. Die heutige Kirche wurde von Felix Wilhelm Kubly 1837–1839 im klassizistischen Stil errichtet. Wie seine fünf Jahre später realisierte Reformierte Kirche Wattwil ist das Gebäude als Querkirche angelegt. Nach einem Brand erhielt die Kirche 1936 ein neues, flaches Walmdach. Ausserdem wurde das Gebäude im Innern zur Längskirche umgestaltet.

Daten zu den Glocken:

Glocke 1
Name: Männerglocke
Ton: A°
Gewicht: 4'050 Kg
Inschrift: "Auf dunkler, grauenvoller Bahn, durch Tod und Grab gehts himmelan. Der Christ lebt ewig im ewigen Licht, oh Göttliche Hoffnung verlass uns nicht. "

Glocke 2
Name: Frauenglocke
Ton: cis'
Gewicht: 2'100 Kg
Inschrift: "Benütze die Zeit eh' Vergänglichkeit sie ergreift, denn unwiderruflich verschwunden sind entflohene Jahre, Tage und Stunden, der Augenblick nur er ist dein."

Glocke 3
Name: Knabenglocke
Ton: e'
Gewicht: 1'160 Kg
Inschrift: "Heil dem Menschen, der sein flüchtig Leben adelt durch Lieb' volles tun und streben, er freue sich der lohnenden Gerechtigkeit. Doch wehe dem, den hassentflammte Brust zu taten spornt verdammenswerter Lust; Er zittere vor der strafenden Gerechtigkeit."

Glocke 4
Name: Kinderglocke
Ton: a'
Gewicht: 550 Kg
Inschrift: "Wo Unschuld und Liebe zum Bunde sich weihn, da walten die edelsten Triebe. Sie bewahren die Seele vor Sünden rein, und gewinnen ihr Gottes Liebe. Drum werdet wie Kinder nach Christi Gebot und übet die Liebe im Leben und Tod."

Einen herzlichen Dank spreche ich hiermit der Kirchgemeindepräsidentin für das Sondergeläut aus sowie dem freundlichen Mesmer Daniel für die Begleitung, die Fernbedienung und das öffnen des Turmes! User Auferstehungsglocke war auch mit dabei.


Dieses Video beinhaltet eine virtuelle Führung mitsamt akustischer Präsentation der Orgel von der luth. Marienkirche in der Mittel- und Kreisstadt Husum vom Landkreis Nordfriesland des norddeutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein sowie eine Präsentation von deren Geläut.

Daten der Glocken: https://online.fliphtml5.com/knoyg/Husum-Marienkirche-Glockendaten/

Ablauf:
0:00 Impressionen der Kirche & akustische Orgelpräsentation
4:51 Audio des Uhrschlags
5:19 Einzelläuten der Wächterglocke
8:02 Einzelläuten der Annenglocke
12:24 Einzelläuten der Marienglocke
16:00 Vollgeläute

Ein herzliches Dankeschön geht an Pastor Andreas Raabe für die Ermöglichung der Aufnahme, an Küster Sven Jensen für die Begeleitung und die tatkräftige Unterstützung vor Ort und an Kantor Kai Krakenberg für das Bereitstellen von Orgelmusik!
Hiermit wünsche ich allen einen gesegneten Heiligabend 2024!

Das Anfangs unbedeutende Dorf Husum, das erst durch von der Großen Mandränke 1362 verursachten Landverlusten Zugang zum Meer bekam und ab dann zu einer Stadt heranwuchs, erhielt ab 1431 erteilter Genehmigung die 1436 vollendete Heilig-Kreuz-Kapelle. Diese wurde bis 1510 zur spätgotischen Marienkirche umgebaut, zu ihrer Zeit eine der größten Kirchen auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins. Für 300 Jahre soll diese Kirche als Gotteshaus dienen, ehe sie wegen Baufälligkeit 1807/09 - sehr zum Leidwesen der Husumer - abgetragen werden musste. Ersetzt wurde sie durch die heutige Marienkirche, eine klassizistische Saalkirche aus gelbem Backstein, die 1829/33 nach Plänen von Christian Frederik Hansen errichtet wurde und etwa halb so groß wie ihr Vorgänger ist. Einen Turm hatte Hansen anfangs nicht vorgesehen, musste er jedoch auf Drängen der Bevölkerung miteinbeziehen. Anfangs von den Husumern eher verspottet, gilt sie heute als Hauptwerk des Klassizismus im Bundesland. 1900 zog man die 1962 nachträglich verlängerte Empore ein. 1984 erhielt die Kirche die ursprüngliche Innenbemalung in Form von beigefarbenen Wänden und granitrote Säulen zurück. Zwischen 2000 und 2013 sanierte man das Gotteshaus etappenweise und 2019/21 erneut, seit der auch wieder die zwischenzeitlich bevorzugte Innenbemalung im reinen Weiß die vorherige ersetzte.
Was in der einstigen Heilig-Kreuz-Kapelle hing, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass die beiden 1506 von Johann Schonenborch gegossene Marien- und die Annenglocke zur Einweihung der alten Marienkirche gegossen wurden. Melchior Lucas goss 1602 zuerst die reichlich verzierte Stundenglocke, die nach einen Unwetter gestiftet wurde, und zwei Jahre später auch die Viertelstundenglocke hinzu. 1569 erweiterte man das Geläut noch um eine weitere von Michel Dibler gegossene Glocke, die erste Wächterglocke. Als diese später sprang, wurde sie 1729 von Johann Hinrich Armowitz zur heutigen Wächterglocke umgegossen. Mit dem Abriss der alten Marienkirche hätten auch all ihre Glocken verkauft werden sollen, da für die neue Marienkirche anfangs kein Turm vorgesehen war, sodass diese ab 1807 für 25 Jahre im Schlosshof lagerten. Später fanden sie dann wieder entgegen anfänglicher Pläne wieder ihren Platz in der neuen Marienkirche, die beiden Uhrglocken dabei in der Turmlaterne. Da der Turm der neuen Marienkirche jedoch nicht für die drei Läuteglocken ausgelegt wurde, erwies sich die Aufhängung dieser anfangs als schwierig. Ein anfänglicher Versuch, alle drei Glocken in der oberen Glockenstube aufzuhängen, schlug wegen der Platzverhältnissen fehl und die Glocken waren nicht vollends (schwingend) läutbar. 1898 entstandene Pläne, einen neuen Turm sowohl wegen Schäden als auch wegen der unbefriedigenden Situation der Glocken zu errichten, wurden verworfen und stattdessen wandte man die heutige Variante an, bei der die Marienglocke auf Dachhöhe und die beiden anderen Läuteglocken darüber in der eigentlichen Glockenstube aufgehängt wurden. 2021 wurde das Geläut saniert. Der Glockenbestand der Husumer Marienkirche hat sich seit dem Umguss der Wächterglocke nicht mehr geändert und hat auch alle danach folgenden Krisen einschließlich der Weltkriege überstanden und gilt als eines der bedeutensten Schleswig-Holsteins. Außerdem zählt es zu den größten noch existierenden Geläutens des Bundeslandes aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, zumal die Marien- und die Annenglocke das tontiefste noch erhaltene Ensembles eines Gießers aus dem Mittelalter in Schleswig-Holstein bilden. Das Geläut steht aufgrund seiner Bedeutung unter Denkmalschutz.

Quellen:
- "Die Marienkirche in Husum - ein kleiner Kirchenführer" von der KG
- Website der KG
- Website der Stadt Husum
- Volker Scheibe & Norbert Drechsler
- "Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein Bände 1-3" (1889) von Richard Haupt
- Organ index
- "Georg Dehio . Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein" (2009) vom Deutschen Kunstverlag
Bild: Ton & Video:
- Prianteltix
- Wikimedia Commons (Ansicht der alten Kirche)
Musik:
- Op. 23 von Oskar Lindberg

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