Beschreibung der Videos
Geläute der Stadtpfarrkirche Schongau in Bayern.
Das Geläute besteht aus 5 Glocken die in den Tönen c´ es´ f´ g´ b´ erklingen.
Die Glocke 1 wurde 1949 von Weule in Bockenem gegossen.
Die Glocke 2 wurde 1949 von Weule in Bockenem gegossen.
Die Glocke 3 wurde 1914 von Friedrich Hamm in Augsburg gegossen.
Die Glocke 4 wurde 1949 von Weule in Bockenem gegossen.
Die Glocke 5 wurde 1949 von Weule in Bockenem gegossen.
Weiter gibt es noch eine alte Totenglocke die im Ton as´´ erklingt und 1493 von Peter Gereis in Augsburg gegossen wurde.
Insgesamt acht Glocken beherbergt der Turm der evangelischen Stiftskirche im malerischen Wertheim, der nördlichsten Stadt in Baden. Das sechsstimmige Geläut verteilt sich auf die beiden oberen Stockwerke des Turmes, während die beiden Uhrglocken in dem Uhrentürmchen am Turmdach angebracht sind.
Die Geschichte der inmitten der malerischen Altstadt gelegenen Stiftskirche reicht bis in die Romanik zurück: mit dem Bau des heutigen Gotteshauses in Form einer dreischiffigen Pfeilerbasilika wurde 1384 begonnen. Der fünfgeschossige Turm, welcher mit der Kirche nur über das Seitenschiff verbunden ist, entstammt dem 15. Jahrhundert. Im Jahre 1448 entstand ein Bibliotheksanbau, der über 900 Handschriften und frühe Drucke beherbergt. Bis in diese Zeit reicht auch die dokumentierte Geschichte der Glocken zurück:
In diesem Jahr wurde die Stundenglocke als solche für die Stiftskirche gegossen, wie ihre Inschrift und vier Zierreliefs, darunter das Wertheimer Wappen, belegen: "gegossen ist offenbar die zimel gut mit irem don alle stund verkonden shon". 1544 wurde die mechanische Turmuhr in Betrieb genommen - damit zählt sie zu den ältesten in Deutschland. Ihre Einrichtung erfolgte nach der Auflösung des Stiftes und Umwandlung der Kirche zum evangelischen Gotteshaus infolge der Reformation.
Neben der Stundenglocke verfügte die Stiftskirche im 16. Jahrhundert nachweislich über ein dreistimmiges Geläut für den Gottesdienstgebrauch. 1591 wurde dieses um zwei Glocken aus dem aufgelösten Kloster Holzkirchen erweitert: Die größere mit dem Name Osanna wurde um 1340 gegossen. Die kleinere von ihnen, genannt Mittagsglocke, ist noch heute in Betrieb. Sie ist besonders wertvoll, trägt sie doch eine bisher noch nicht zuweisbare Kanne als Gießerzeichen und verschiedenartig gearbeitete Reliefs - ihre Inschrift weist zudem auf eine ältere Vorgängerin hin.
Ab 1591 läuteten also fünf Glocken vom Turm der Stiftskirche. Verschiedene Veränderungen im Geläut brachte das 18. Jahrhundert mit sich: 1772 wurde eine Glocke umgegossen und 1779 das kleine Uhrentürmchen errichtet - die neu gegossene Viertelglocke fand hier ihren Platz. von den Gebr. Schneidewind in Frankfurt gegossen. Wenig später waren auch die beiden anderen Glocken von 1591 schadhaft geworden und wurden 1787 ebenfalls in Frankfurt umgegossen.
Bis zum 20. Jh. war das Geläut also trotz einiger Veränderungen weiterhin fünfstimmig. Nachdem die Osanna-Glocke aus Holzkirchen 1916 gesprungen war, wurde sie 1917 zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Auch die Glocke von 1772 war schadhaft geworden. Sofort aufgenommene Verhandlungen zu einem Ersatzguss bzw. einer Ergänzung des Geläutes mit der Fa. Schilling wurden während der Nachkriegsjahre unterbrochen. Erst 1926 konnten die Planungen umgesetzt werden: "unter dem Zwang der Not" entschied man sich jedoch für den Guss zweier Eisenglocken durch die Fa. Schilling & Lattermann. Die größere, genannt Sturm- und Totenglocke, befindet sich bis heute im Geläut. Zudem wurden an sämtlichen Glocken, um das Läuten zu erleichtern, verkröpfte Joche verbaut.
Im 2. Weltkrieg musste mit Ausnahme der großen Eisen- und der alten Stundenglocke das gesamte Geläut abgeliefert werden. Glücklicherweise wurde keine der wertvollen Glocken im Sammellager vernichtet, sodass das Ensemble ab 1948 wiederhergestellt war. Doch man hielt fest: "Seine Klangfarbe befriedigte wenig". Zudem waren die Glockenstühle von 1787 und 1926 nicht mehr tragfähig und mussten ersetzt werden. So lieferte die Glockengießerei Bachert in Kochendorf 1961 zwei neue Glocken, während die kleinere Eisenglocke von 1926 ausgemustert wurde. Die große Sturm- und Totenglocke sollte erst später durch ein Instrument aus Bronze ersetzt werden. Bis heute wurde dieser Austausch jedoch glücklicherweise nicht vollzogen: durch sie erhält das ohnehin ein wenig eigenwillige Geläut seine ganz besondere Note.
*Technische Daten der Glocken*
LÄUTEGLOCKEN
I. Sturm- und Totenglocke, Ton: cis'-1
2300 kg, 1780 mm, Schilling & Lattermann, Morgenröthe-Rautenkranz (1926)
II. Christusglocke, Ton: d'-2
1540 kg, 1405 mm, Gebr. Bachert, Kochendorf (1961)
III. Mittagsglocke, Ton: eis’-7
1035 kg, 1197 mm, unbezeichnet (1495)
IV. Abend- und Wächterglocke, Ton: g'+/-0
586 kh, 980 mm, Joh. Georg & Johannes Schneidewind, Frankfurt (1787)
V. Heiliggeist- und Vaterunserglocke, Ton: a'+2
540 kg, 950 mm, Gebr. Bachert, Kochendorf (1961)
VI. Kleine- und 3-Uhr-Glocke, Ton: c''+5
248 kg, 743 mm, Joh. Georg & Johannes Schneidewind (1787)
UHRGLOCKEN
I. Stundenglocke, Ton: a'+10
405 kg, 870 mm, unbezeichnet (1458)
II. Viertelglocke, Ton: fis''-1
90 kg, 530 mm, Joh. Georg & Johannes Schneidewind, Frankfurt (1779)
ABLAUF
00:00 Kirche und Geläut
00:45 Uhrglocken
01:10 Festgeläut
Herzlichen Dank für die Ermöglichung der Aufnahmen!
Quellen:
Inventarisation des Geläutes, 06.09.2022.
Bartholomä, Hellmuth: Die Geschichte der Glocken der evangelischen Stiftskirche in Wertheim/Main, Wertheim, 1961.
Text, Ton, Bild: Ben Schröder. #Glocken
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