Beschreibung der Videos
Vier Glocken erklingen aus dem neugotischen Turm der katholischen Pfarrkirche Maria Namen in der Stadt Löbau in der Oberlausitz. Die ersten Glocken erhielt die Kirche noch vor ihrer eigentlichen Fertigstellung 1892: Ein zweistimmiges Geläute, welches aus einer inschriftslosen Glocke und einer etwas größeren, 1820 von Sigismund Schröttel gegossen Glocke bestand - der Herkunftsort beider Instrumente ist leider unbekannt. Erst mit dem Guss einer kleineren Glocke (200 kg) durch den Dresdner Glockengießer Clemens Albert Bierling am 13. August 1892 konnte das Geläute schließlich noch vor dem Weihetag des Gotteshauses vervollständigt werden. Die Inschrift der kleinen Bierling-Glocke "Coelum peto"; (dt. "Ich trachte nach dem Himmel") sollte sich jedoch schnell bewahrheiten müssen. Zusammen mit der inschriftslosen Glocke wurde sie im Ersten Weltkrieg 1917 für die Rüstungsindustrie beschlagnahmt, zerschlagen und eingeschmolzen. Auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich auf dem Turm des Gotteshauses weiterhin nur die Heilig-Geist-Glocke. Erst nach Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel konnte die große Glocke am 03. Juni 1961 - endlich - wieder um drei kleinere Schwestern ergänzt werden. Die feierliche Weihe der neuen, von Franz Peter Schilling in Apolda gegossenen Glocken, fand schließlich am 03. August 1961 statt. Das Geläute wird zwar durch die Aufhängung an gekröpften Stahljochen klanglich nicht unerheblich beeinträchtigt, eine gewisse Singfreudigkeit ist den Glocken allerdings nicht abzustreiten. Beim Zusammenklang aller Glocken erklingt die Melodielinie des Salve Regina.
Gl. 1 | Heilig-Geist-Glocke | f' | 810 kg | 1100 mm | Sigismund Schröttel, Dresden (1820)
Gl. 2 | Marienglocke | a' | 334 kg | 850 mm | Franz Peter Schilling, Apolda (1961)
Gl. 3 | Johannes-Baptist-Glocke | c'' | 191 kg | 705 mm | Franz Peter Schilling, Apolda (1961)
Gl. 4 | Bischof-Nikolaus-Glocke | d'' | 130 kg | 620 mm | Franz Peter Schilling, Apolda (1961)
Schon zu Lebzeiten des Heiligen Bischofs Benno dürfte eine katholische Gemeinde in bzw. um Löbau existiert haben, bereits 1219 wurde eine größere romanische, dem Hl. Nikolaus geweihte Kirche errichtet. Doch als infolge der Reformation 1540 der erste lutherische Pfarrer in der Löbauer Nikolaikirche Einzug hält und 1570 der letzte Pater des ehemaligen Franziskanerklosters stirbt, nimmt das katholische Leben in Löbau ein abruptes Ende. Während sich die Klöster Marienthal und Marienstern in den folgenden Jahrhunderten als Zentren des katholischen Glaubens in der Oberlausitz etablieren, finden in Löbau keine kath. Gottesdienste mehr statt. Erst ab 1755 kann zumindest eine Kapelle im nahegelegenen Rittergut Körbigsdorf - später die Schlosskapelle zu Strahlwalde - von den übrigen Katholiken genutzt werden. Um 1870 leben wieder 70 Katholiken in Löbau; Tendenz aufgrund der Zuwanderung aus Schlesien und Böhmen steigend. Am 16. Oktober desselben Jahres kann in der Heilig-Geist-Kirche der seit Jahren erste kath. Gottesdienst in Löbau gefeiert werden - an jedem dritten Sonntag im Monat soll ein weiterer stattfinden. Als die regelmäßigen Messen in der Heilig-Geist-Kirche schließlich 1889 fest verankert waren, musste das Gotteshaus wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Die Sehnsucht nach einem Gottesdienstraum ließ bald erste Pläne zum Bau einer eigenen Kirche in der Löbauer Vorstadt entstehen. Durch Beziehungen zum Prager Emmauskloster konnten die von P. Leander erstellten Pläne für die Kirche in Selztahl (Steiermark) unentgeltlich übernommen und als Grundlage für den Bau des Löbauer Gotteshaus verwendet werden. Knapp zwei Jahre nach der Grundsteinlegung am 18. September 1890 konnte am Vortrag des Patroziniums "Mariä Namen", dem 11. September 1892 die feierliche Weihe der Kirche stattfinden - der Grundriss des neugotischen Gotteshauses mit Turm und Sakristei hat die Form eines Kreuzes. Die Originalausstattung aus dieser Zeit ist bis heute erhalten (Ausmalung der Innenwände mit marianischen Motiven, die Buntglasfenster von Türk, Zittau und der Sakramentsaltar Mayer, München); lediglich die Seitenaltäre verschwinden im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils. Wenn die hübsche Löbauer "Zwillingskirche" in diesen Tagen ihr 128. Weihejubiläum begeht, soll dieses Video als kleines Präsent einen Eindruck von Kirchenraum und - vor allem - dem Geläute geben.
Zum Videoprogramm: Zunächst erfolgt eine Führung durch die Kirche, während im Hintergrund der Uhr- und Gebetsschlag am Mittag erklingt. Anschließend erklingen die Glocken im Einzelnen. Es beginnt die Nikolausglocke bei 02:15, anschließend folgen Johannes ab 03:40, Maria bei 05:00 und die historische Heilig-Geist-Glocke ab 07:00. Zum Abschluss wird ab 08:50 ein Eindruck in das Geläute aller Glocken gegeben.
Herzlich bedanken möchte ich mich bei Pfarrer Börner für die Ermöglichung der Aufnahme.
Es läuten _3_ _Schillingglocken_ in der _evangelischen_ _Kirche_ in _Bozen-Gries!_
*Ablauf:*
0:00 Bilder der Kirche
1:10 Bilder und anschlagen der einzelnen Glocken
2:03 Vollgeläute (klein auf groß)
4:55 Ausläuten und Abschluss
*Infos zu den Glocken*
Glocke 1 - f' - Franz Schilling in Apolda - 1928
Glocke 2 - a' - Franz Schilling in Apolda - 1907
Glocke 3 - c'' - Franz Schilling in Apolda - 1928
*Geschichte der Glocken*
Mit Beschluss vom 30. Juli 1907 gab der Kirchenbauverein bej der Glockengießerei Franz Schilling in Apolda den Guss der drei Glocken zum Preis von 7,104 Kronen in Auftrag. Sie waren aus Bronze und hatten ein Gesamtgewicht von circa 1.600 kg Mit den drei Tonen f', a' und c'' ergaben sie einen F-Dur Akkord. Sie trugen folgende Inschriften:
- "O Land, Land, Land höre des Herrn Wort!"
- "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen"
- "Jesus Christus gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit"
Die Glocken wurden mit der Bahn nach Bozen transportiert (min. 5:50) und von dort mit einem Pferdewagen zur Kirche.
Die große und kleine Glocke des alten Geläutes wurden für Kriegszwecke eingeschmolzen. Nach dem 1. Weltkrieg wurden wieder von Franz Schilling aus Apolda zwei neue Glocken mit den selben Tönen gegossen.
*Geschichte der Kirche*
In Bozen bzw. im benachbarten Kurort Gries wurde für den Bau 1903 ein Villengrundstück erworben. Der evangelische Kirchenbauverein stieß aber auf Widerstand der Grieser Weinbauern, der zu einer Verweigerung der Baugenehmigung durch die Gemeinde Gries führte. Erst mit Hilfe ihres Rechtsanwaltes, des Bozner Bürgermeisters Julius Perathoner, konnte der Kirchenbauverein 1905 vor dem Verwaltungsgerichtshof sein Recht durchsetzen.
Die Christuskirche wurde 1906–1908 unter Aufsicht des Berliner Architekten Hermann Ende im neugotischen Stil gebaut. Am 4. Jänner 1945 wurde die Kirche von amerikanischen Flugzeugen bombardiert. Sie brannte in den darauffolgenden Tagen ab. Übrig blieben nur der Turm und die Außenmauern. Ein Überbleibsel von vor dem Feuer ist eine Holztafel, welche noch starke Spuren des Brandes aufweist. Diese ist auch im Video (min. 0:39) zu sehen. Nach dem Krieg wurde der äußere Bau der Kirche in seiner alten Form wiederhergestellt und am 20. Oktober 1952 wiedereingeweiht.
(Quelle: austria-forum)
*Innenausstattung*
Über dem Hauptportal der Kirche befindet sich ein Relief (Christus) des Bozner Steinbildhauers Andreas Kompatscher. Das Kircheninnere erhielt im Zuge des Neuaufbaus nach der Zerstörung eine einfache, glatte Holzdecke. Die Wände wurden weiß gestrichen. Den künstlerischen Höhepunkt bildet die Ausstattung des Chorraumes mit Betonglasfenstern des Stuttgarter Künstlers Christian Oehler.
(Quelle: austria-forum)
Ich möchte mich hier sehr herzlich bei der Pfarrerin und der Sekretärin für den freundlichen Empfang und die Ermöglichung der Aufnahme als auch bei meinem Begleiter bedanken!
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