Beschreibung der Videos
In Kirchheim unter Teck erklingen die Glocken c'-es'-f'-g'-b'-c''-es'' als stattliches und klangvolles Geläut der Martinskirche. Drei historische und vier moderne Glocken ergänzen sich zu einem klanglich besonderen Ensemble.
➥ Nach dem großen Stadtbrand 1690 waren die Glocken der Martinskirche vernichtet. Den Ersatz gossen die Gebrüder Rosier direkt vor Ort in Kirchheim. Es entstanden 1691 wohl acht Instrumente, von denen heute noch drei [1+4+6] erhalten sind.
Die Kriegsverluste wurde unter großen finanziellen Anstrengungen der Gemeinde im Jahre 1952 wieder ergänzt. Die Glockengießerei Kurtz aus Stuttgart goss vier neue #glocken [2+3+5+VII], wobei die kleine Vaterunserglocke ihren Platz in der Turmlaterne fand.
Aus der gewaltigen, historischen Glockenanlage erklingt das Ensemble in kräftiger Lautstärke. Dabei ergänzen sich die historischen und modernen Glocken zu einem erstaunlich homogenen Klangeindruck.
► Programm:
0:00 Glocke 7 - Kurtz 1952
1:33 Glocke 6 - Gebrüder Rosier 1691
2:45 Glocke 5 - Kurtz 1952
3:56 Glocke 4 - Gebrüder Rosier 1691
5:16 Glocke 3 - Kurtz - 1952
6:51 Glocke 2 - Kurtz 1952
8:20 Glocke 1 - Rosier 1691
9:50 historisches Geläut 1+4+6
13:10 Hauptgeläut 1+2+3+4+5+6
16:55 Vollgeläut 1+2+3+4+5+6+VII
➥ Die Martinskirche zu Kirchheim unter Teck ist ein spätgotischer Kirchenbau aus dem späten 15.Jahrhundert, in den ein romanischer Vorgängerbau mit einbezogen wurde. Als Teil der Stadtbefestigung wurde der Turm damals abgetragen und erst im späten 16. Jahrhundert wieder aufgestockt. Nach dem großen Brand 1690 nur vereinfacht wieder aufgebaut, erhielt das Gebäude ab 1898 wieder ein größtenteils gotisches Gepräge.
➥ Ich möchte mich bei allen Beteiligten für die Einladung nach Kirchheim unter Teck und die weitreichende Unterstützung ganz herzlich bedanken!
Ein eindrucksvolles, sechsstimmiges Glockengeläute erklingt aus dem mittelalterlichen Turm der katholischen Pfarrkirche Sankt Mauritius in Königshofen - einem Stadtteil der im Taubertal eingebetteten Doppelstadt Lauda-Königshofen. Die modernen Glocken ersetzen das fünfstimmige Vorkriegsgeläute des Gotteshauses, welches in den Werkstätten der Villinger Glockengießerei Grüninger entstanden ist und zusammen mit dem 1750 in Würzburg gegossenen Todesangstglöckchen bis 1942 zum Gottesdienst in die Pfarrkirche gerufen hat, bevor es im Zweiten Weltkrieg der Rüstungsindustrie zum Opfer fallen und eingeschmolzen werden musste. Erst Jahre nach Kriegsende konnte man im schwer getroffenen Königshofen den glockenlosen Turm wieder mit einem Geläute bestücken. Der Heidelberger Glockengießer Friedrich Wilhelm Schilling erhielt den Auftrag zum Guss eines sechsstimigen Geläutes für die Kirche der damals noch selbstständigen Stadt. Die fulminante Klangsprache und Wirkung der sechs in (über)schwerer Rippe gegossenen Glocken zeugen abermals von der außerordentlich hohen Qualität der Schillingschen Instrumente. Bemerkenswert ist auch hier die ausgezeichnete Abstimmung der einzelnen Glocken auf- bzw. zueinander; Abweichungen der Teiltöne im Halbtonsechzehntelbereich sind nur geringfügig (bei der Marienglocke gar nicht) festzustellen. Die in überschwerer Rippe gegossene Schutzengelglocke ist mehr als doppelt so schwer (!) als eine Glocke dieser Größe in normaler Konstruktion wiegen würde und bringt nur 4kg weniger als die tontiefere Bernhardsglocke auf die Waage. Die Kombination aus gewichtiger Klangkrone und dem fundamentalen Klang der großen Christkönigsglocke ergibt ein außerordentlich mächtiges und feierliches Geläute, dessen Wirkung durch die weit gespannte Tonfolge, welche u. a eine gr. Septime und None enthält, nur unterstrichen wird. Kürzlich erhielten alle Glocken im Zuge der Turmsanierung neue Klöppel, die Joche, welche sich teilweise noch vom alten Grüninger-Geläute erhalten haben, wurden saniert, und abschließend die Läuteanlage instandgesetzt.
Gl. 1 | Christkönigsglocke | c' | 2673 kg | 1579 mm | Friedrich W. Schilling, Heidelberg (1956)
Gl. 2 | Marienglocke | es' | 1517 kg | 1313 mm | Friedrich W. Schilling, Heidelberg (1956)
Gl. 3 | Mauritiusglocke | g' | 920 kg | 1105 mm | Friedrich W. Schilling, Heidelberg (1956)
Gl. 4 | Josefsglocke | b' | 528 kg | 922 mm | Friedrich W. Schilling, Heidelberg (1956)
Gl. 5 | Bernhardsglocke | c'' | 376 kg | 817 mm | Friedrich W. Schilling, Heidelberg (1956)
Gl. 6 | Schutzengelglocke | d'' | 372 kg | 802 mm | Friedrich W. Schilling, Heidelberg (1956)
Erstmals erwähnt wird eine Martinskirche in Königshofen bereits im Jahr 822 als eine der Urpfarreien auf dem damaligen Gebiet der Diözese Würzburg. Vom ersten Kirchenbau, welcher bereits um die Jahrtausendwende entstanden sein dürfte, existiert heute noch das romanische Untergeschoss des Kirchturmes. Dieser mächtige Turm, welcher bereits von weitem zu sehen ist, zeugt noch heute von der damaligen Bedeutung Königshofens. Eine erste Erweiterung, vielleicht auch ein Neubau, des hiesigen, alten Gotteshauses erfolgte jedoch erst mehrere Jahrhunderte später im spätgotischen Stil und wurde mit der Errichtung des obersten Turmgeschosses im Jahr 1495 abgeschlossen. Knapp hundert Jahre später verschwand zudem das einstige Martinspatrozinium und wurde durch das heutige ersetzt; weshalb ist jedoch nicht überliefert. Nachdem Königshofen zu Beginn des 19. Jahrhunderts dem Großherzogtum Baden zugeordnet wurde, endete auch die lange Zugehörigkeit des Ortes zum Bistum Würzburg, der "Königshöfer Bischof" sitzt seitdem in Freiburg. Zu dieser Zeit war den Pfarrkindern und ihren Filialisten auch das bisherige Gotteshaus zu klein geworden; sie strebten zunächst eine Vergrößerung desselben an, welche allerdings nicht zu realisieren gewesen wäre. Ein Neubau unter Einbeziehung des historischen Kirchturmes war die einzige Alternative. Nach mehrjähriger Planung konnte nach dem mühsamen Abriss der alten Kirche, 1836 der Grundstein zum Bau der heutigen, spätklassizistischen Pfarrkirche gelegt werden. Im September 1837 konnte das schlichte Gotteshaus geweiht werden, die beiden spätbarocken Seitenaltäre wurden vermutlich aus der alten Kirche übernommen. Das Deckengemälde "Kreuzerhöhung", welches bei Betreten des Kirchenraumes bald ins Auge fällt, entstand erst 1938, die Kanzel wurde erst später aus Gerchsheim übernommen. Die gewölbte Turmhalle, welche einige Stufen unterhalb des eigentlichen Kirchengebäudes gelegen ist, beherrbergt heute den Taufstein.
Ablauf des Videos:
00:00 Führung durch die Kirche, Geläute "von außen"
02:40 Einzelglocken
10:50 Läuten aller Glocken
Herzlich danken möchte ich Herrn Langer für die freundliche Ermöglichung der Aufnahme.
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