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Dass Stahlglocken durchaus kräftiger sein können als Bronzeglocken beweist das Geläute von St.Pankratius in Garzweiler.
Das alte Dorf Garzweiler wurde ab 1984 umgesiedelt, da es zugunsten eines Braunkohletagebaus abgerissen werden musste. Verloren ging dabei auch die im 19.Jahrhundert errichtete Kirche. Bereits 1835 wurden Ziegel für eine neue Kirche gebrannt, da die vorhandene Kapelle, über die nichts weiter bekannt ist, baufällig und zu klein geworden war. Jedoch begann man erst im Jahre 1858 mit dem Neubau der Kirche. Am 8.September 1860 konnte sie fertiggestellt werden. Ihre Konsekration erfolgte erst am 2.Mai 1867. Der markante Kirchturm mit seiner gedrehten Spitze, war das Wahrzeichen des alten Dorfes Garzweiler, bis es den Baggern weichen musste. 1984 entwarf das Architektenbüro Quasten & Lenze die neue Kirche sowie das neue Pfarrhaus im umgesiedelten Ort. Am 28.April des Jahres 1987 wurde der erste Spatenstich für die neue Kirche gesetzt. 1 Jahr später, am 7.Mai, wurde sie durch den Aachener Bischof Klaus Hemmerle eingeweiht. Aus der alten Kirche wurden der Altar, die Orgel, der Taufstein sowie ein größeres Fenster übernommen.
Die ersten nachweisbaren Glocken für Garzweiler wurden im Jahre 1660 gegossen. Eine "Schelle" folgte 1721. Über dieses Geläut ist leider nichts bekannt. Fest steht jedoch, dass im 1.Weltkrieg alle 3 Glocken abgeliefert und eingeschmolzen wurden. Als Ersatz beschaffte man sich im Jahre 1921 ein neues, 3-stimmiges Stahlgeläute welches vom Bochumer Verein gegossen wurde. Diese Glocken wurden während der Umsiedlung in den 80er-Jahren mit einem neuen Farbanstrich versehen. Am 2.Dezember des Jahres 1988 wurde eine neue, große Glocke von der Fa. Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen. 10 Tage später wurde sie zusammen mit den 3 Stahlglocken in der neuen Kirche geweiht. Die beiden kleinen Stahlglocken besitzen keine Namenspatrone oder ähnliches. Am 20.Dezember wurden sie in den Turm gehängt und konnten pünktlich zum Weihnachtsfest erstmals zusammen erklingen. Die Stahlglocken besitzen bis heute ihre alten Voco Omega-Läutemaschinen von HEW. Ebenfalls sollte die hervorragende Turmakustik erwähnt werden. Die Glocken profitieren noch zusätzlich durch die Holzjoche und den Holzglockenstuhl. Wie man hört sind die Stahlglocken sehr dominant und die Bronzeglocke relativ zurückhaltend. Trotzdem kann man sagen, dass die Kirche von Garzweiler ein mehr als würdiges und klangschönes Geläute besitzt!
Michaelsglocke, Schlagton cis'+3, Gewicht ca. 2.180 kg, Durchmesser 1472 mm, gegossen im Jahre 1988 von der Fa. Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher (Westf.).
Gedächtnisglocke, Schlagton dis'+3, Gewicht ca. 1.200 kg, Durchmesser 1430 mm, gegossen im Jahre 1921 vom Bochumer Verein.
Glocke 3, Schlagton fis'+3, Gewicht ca. 810 kg, Durchmesser 1260 mm, gegossen im Jahre 1921 vom Bochumer Verein.
Glocke 4, Schlagton gis'+3, Gewicht ca. 622 kg, Durchmesser 1100 mm, gegossen im Jahre 1921 vom Bochumer Verein.
Ein herzliches Dankeschön geht an Markus für die Organisation und das Ein- / Ausschalten und an den Pfarrer sowie an den netten Küster für die Möglichkeit, das Geläute im Turm aufnehmen zu dürfen!
Die katholische Pfarrkirche Liebfrauen in Stuttgart-Bad Cannstatt wurde 1908/09 nach Plänen von Joseph Cades in unmittelbarer Nachbarschaft zum Uff-Kirchhof und zur evangelischen Lutherkirche erbaut. Der Architekt hatte in zuvor bereits St. Elisabeth in Stuttgart-West und St. Johannes in Untertürkheim (auf dem ersten Foto am rechten Bildrand ganz im Hintergrund zu sehen) entworfen. Das Patrozinium wurde von der alten Uffkirche auf dem Friedhofsgelände übernommen, die in den Jahren vor der Weihe der neuen Kirche der katholischen Gemeinde von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt wurde und die heute als Friedhofskapelle dient.
1944 wurde auch die Liebfrauenkirche bei Luftangriffen beschädigt.
Nachdem im Ersten Weltkrieg das ebenfalls vierstimmige (des' es' f' as') Bronzegeläut aus der Stuttgarter Gießerei Heinrich Kurtz abgenommen worden war, wurden 1923 BVG-Stahlglocken in Untermollsextrippe beschafft und an die Joche des Vorgängergeläuts gehängt. Die große Glocke ist den Toten des Ersten Weltkrieges gewidmet.
Dieses Geläut ist eine Besonderheit in Stuttgart, ist es doch eines der wenigen Stahlgeläute überhaupt und das einzige aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.
Klanglich ist es sicher gewöhnungsbedürftig. Das Erlebnis, an einem nebligen Winterabend an der vor dem Uff-Kirchhof befindlichen, gleichnamigen Stadtbahnhaltestelle zu warten und aus der völligen Dunkelheit des Friedhofs von der dahinter liegenden Liebfrauenkirche Klänge zu hören, die die schaurige Stimmung des Ortes perfekt unterstreichen, können jedoch nur diese Glocken bieten.
1:14 Glocke 4
Name: Michaelsglocke
Schlagton: gis'
Gießer: Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation
Gussjahr: 1923
Schulterinschrift: GEG. V. BOCHUMER VEREIN I. BOCHUM 1923.
Flankeninschrift: SANCTE MICHAEL DEFENDE NOS IN PROELIO.
3:44 Glocke 3
Name: Marienglocke
Schlagton: fis'
Gießer: Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation
Gussjahr: 1923
Schulterinschrift: GEG. V. BOCHUMER VEREIN I. BOCHUM 1923.
Flankeninschrift: REGINA PACIS ORA PRO NOBIS.
6:03 Glocke 2
Name: Herz-Jesu-Glocke
Schlagton: e'
Gießer: Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation
Gussjahr: 1923
Schulterinschrift: GEG. V. BOCHUMER VEREIN I. BOCHUM 1923.
Flankeninschrift: COR JESU SACRATISSIMUM MISERERE NOBIS.
8:31 Glocke 1
Name: Totenglocke
Schlagton: cis'
Gießer: Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation
Gussjahr: 1923
Schulterinschrift: GEG. V. BOCHUMER VEREIN I. BOCHUM 1923.
Flankeninschrift: 1914 ✠ 1918 / REQUIEM AETERNAM DONA EIS DOMINE.
11:13 Vollgeläut: cis-Moll-Dreiklang ausgefüllt
Ein herzlicher Dank gilt Herrn Pfarrer Krause und Herrn Awed für die Ermöglichung der Aufnahmen, sowie Tobias (Taufglocke) für die Begleitung und das Schalten.
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