Beschreibung der Videos

Ich stelle heute das Gussstahlgeläut der evangelischen Frauenkirche im Görlitzer Zentrum vor.

Die Frauenkirche liegt zentral im Görlitzer Stadtzentrum und bildet einen Übergang vom mittelalterlichen Stadtkern zur gründerzeitlichen Innenstadt. Mitte des 14. Jahrhunderts war außerhalb der Stadtmauern bereits eine Kapelle vorhanden. Beim Hussitenangriff 1429 wurde sie beschädigt und möglicherweise teilweise abgetragen. Sie wurde gegen einen kompletten Neubau ersetzt. Zwischen 1449 und 1461 entstanden der Chor und die Sakristei und 1454-1456 die Aufrichtung eines Dachstuhls. Dieser ist heute der älteste Dachstuhl der Stadt Görlitz. 1473 waren dann die Seitenmauern des Schiffs fertiggestellt. Am 29. Mai 1486 soll die Weihe der Kirche erfolgt sein. 1494 schloss sich die Aufrichtung des Dachreiters samt Glockenstuhl an. 1696/97 erfolgte die Aufmauerung des westlichen Vorbaus zum heutigen Turm. Die Kirche präsentiert sich als einheitliche spätgotische dreischiffige Hallenkirche und gehört zu diesen Hauptwerken der Oberlausitz. Das Innere ist mit einem einfachen Netzgewölbe überspannt. Ein besonderes Augenmerk im Inneren sind die geschmückten Schlusssteine und Konsolköpfe. Anfang des 18. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine barocke Ausstattung. Sie wurde allerdings bei einer Renovierung 1868-1871 gegen eine neugotische ersetzt. Alle Stücke sind aus warmen braunem Eichenholz hergestellt. Sie stammen vom Holzbildhauer Franz Schneider aus Leipzig. Die Wandepitaphien an der nördlichen Chorwand stammen von 1570. Die heutige Orgel stammt von der Firma Schuster & Sohn aus Zittau von 1977. 1989 war sie Ausgangspunkt für die Friedensgebete der Stadt. Zwischen 2003 und 2011 wurde die Kirche umfassend renoviert und restauriert. Im August 2022 wurde die Kirche bei einem Einbruch stark verwüstet. Dabei wurden die Sandsteinfiguren des Altares zerstört, ein Kruzifix heruntergeworfen und Orgelpfeifen herausgerissen. Die Orgel ist seitdem unspielbar. Die Kirche dient heute vorallem als „City-Kirche“ für Mittagsandachten und Ausstellungen.

Ein Brand des Glockenstuhls 1480 zerstörte den Dachreiter samt Glocken. 1481 und 1495 entstanden zwei neue Klangkörper. Bei der Erhöhung des Westturmes gelangten die Glocken wohl in diesen. 1716 goss Michael Weinhold aus Dresden die beiden Glocken um und goss ein Jahr später eine kleine dazu. Sie hatten Gewichte von 508, 255 und 159 kg. Im ersten Weltkrieg konnte die kleine Glocke der Gemeinde erhalten bleiben, die Anderen wurden eingeschmolzen. 1922 wurde ein neues dreistimmiges Stahlgeläut vom Bochumer Verein angeschafft. Die Ausmaße dieser Glocken übertrifft jene der Vorgängerglocken erheblich. Dabei wurde die erhaltene kleine Barockglocke von 1717 ausrangiert. Sie kann heute im Kunsthistorischen Museum Görlitz (Kaisertrutz) besichtigt werden. Sie hat einen Durchmesser von 650 mm und erklingt im Ton e''. Die Stahlglocken erklingen noch heute an originalen Armaturen aus dem Turm der Frauenkirche. Sie erzeugen dabei in Kirchennähe eine ohrenbetäubende Lautstärke.

Die Glocken:
Motiv: cis'- e'- g' (verminderter Dreiklang)

Glocke 1
Not
Stahlguss
cis'
1922
Bochumer Verein, Bochum
1 560 kg
1 574 mm
Zier:
- am Hals zwischen zwei Doppelrundstegen Gussvermerk:
GEG. v. BOCHUMER VEREIN i. BOCHUM 1922.
- Flanke aversseitig Inschrift: IN SCHWERER ZEIT
- Flanke reversseitig Inschrift:
NOT
AUS DER TIEFE RUFE ICH, HERR, ZU DIR.
Ps. 130,1.
- am Wolm neun Rundstege

Glocke 2
Glaube
Stahlguss
e'
1922
Bochumer Verein, Bochum
1 080 kg
1 387 mm
Zier:
- am Hals zwischen zwei Doppelrundstegen Gussvermerk:
GEG. v. BOCHUMER VEREIN i. BOCHUM 1922.
- Flanke aversseitig Inschrift: DEM HERRN GEWEIHT
- Flanke reversseitig Inschrift:
GLAUBE
DENNOCH BLEIBE ICH STETS AN DIR
Ps. 73,23
- am Wolm neun Rundstege

Glocke 3
Hoffnung
Stahlguss
g'
1922
Bochumer Verein, Bochum
700 kg
1 170 mm
Zier:
- am Hals zwischen zwei Doppelrundstegen Gussvermerk:
GEG. v. BOCHUMER VEREIN i. BOCHUM 1922
- Flanke aversseitig Inschrift: UNS ZUR SEELIGKEIT
- Flanke reversseitig Inschirft:
HOFFNUNG
FREUT EUCH IN DEN HERRN ALLEWEGE
Phil. 4/4
- am Wolm fünf Rundstege

Zur Aufnahme:
- Die Außenaufnahme entstand am 01.06.2020 um 09:50 Uhr zum Gottesdienst am Pfingstmontag.
- Die Innenaufnahmen entstanden am 26.10.2022.

0:00 – Bilderstrecke mit Außenaufnahme
2:49 – Glocke 3
4:59 – Glocke 2
7:13 – Glocke 1
9:15 – Vollgeläut

Ein herzlicher Dank geht an den Hausmeister, Herrn Kranich, für die Ermöglichung der Aufnahmen, der Turmbesteigung und seine Zeit sowie an Herrn Pfarrer Dr. Paul für die Genehmigung der Aufnahmen und ihrer Veröffentlichung.

Quellen:
eigene Bilder
Kirchenführer
Buch „Görlitzer Glockenlandschaft in Vergangenheit und Gegenwart“ von Michael Gürlach, S. 75-81


Die Glaubenskirche ist eine evangelische Kirche in der Friedrich-Franz-Straße des Berliner Ortsteils Tempelhof. Der Bauentwurf stammt von den Charlottenburger Architekten Ferdinand Köhler und Paul Kranz, die schon den Bau des gegenüberliegenden Realgymnasiums übernommen hatten. Die im Ersten Weltkrieg erbaute dreischiffige Hallenkirche ist der zeitgenössischen Reformarchitektur zuzurechnen, der verputzte Mauerwerksbau kommt in seiner äußeren Erscheinung ohne historisierendes Dekor aus. Das Gotteshaus steht zusammen mit den Pfarrhäusern und dem Gemeindehaus unter Denkmalschutz.


GESCHICHTE:


Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Urbanisierung der Feldmark, vom Jahr der Reichsgründung bis 1900 stieg die Zahl der Einwohner in der Berliner Umlandgemeinde Tempelhof von 1417 auf 9991. Am 12. Februar 1892 wurde Tempelhof aus der Kirchengemeinde Britz ausgepfarrt und damit selbstständig. 1894 regten der Pfarrer von Tempelhof und 1895 auch die Kirchenbehörde den Bau einer zweiten größeren Kirche neben der alten Dorfkirche Tempelhof an. Im Jahr 1901 lag das Patronat bei der Tempelhofer Terraingesellschaft, die ein Grundstück an der Kaiserin-Augusta-Straße Ecke Friedrich-Franz-Straße für den Bau von Kirche und Gemeindehaus im Tausch gegen die Ablösung des Patronats zur Verfügung stellte. 1903 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, zwei Jahre später beschloss der Gemeindekirchenrat den Bau einer zweiten Tempelhofer Kirche.

Am 29. März 1914 erfolgte die Grundsteinlegung, am 29. August 1915 die Kirchweihe. Während der Bauphase hatte der Erste Weltkrieg begonnen. Die Fenster sollten ursprünglich zur ewigen Erinnerung an diese angeblich große Zeit heroisch gestaltet werden, letztlich wurden friedliche Motive verwendet. Auch die Namensgebung der Kirche war umstritten. Zunächst favorisierte der patriotische Gemeindekirchenrat Siegeskirche oder Kreuzritterkirche, es wurde dann allerdings der neutrale Name Glaubenskirche gewählt.

Die Turmuhr konnte 1915 nur mit Zeigern aus Holz fertiggestellt werden. Das Kupfer­dach wurde 1918 als Metallspende des deutschen Volkes zur Umarbeitung in Kriegsgerät beschlagnahmt und durch Ziegel ersetzt.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch wieder Schäden am Kirchengebäude: Am 30. Januar 1944 fielen bei einem alliierten Luftangriff Brandbomben und Luftminen auf das Dach, doch Mauerwerk und Decke hielten stand. Die Betondecke hatte alle Brandbomben harmlos ausbrennen lassen. Alle Fenster waren aber durch Luftminen zerstört und es regnete in das Kircheninnere hinein. Nach Kriegsende, im August 1945 erfolgte eine behelfsmäßige Reparatur. Die Fenster wurden 1951 im Jugendstil neu gestaltet. Die Eindeckung der Dächer erfolgte erst 1952. Die Reparatur von Orgel und Turmuhr folgte 1955. Die mit einfachsten Mitteln restaurierte Kirche wurde am 11. September 1955 erneut eingeweiht. In den Jahren 1959 und 1960 wurde die unter Denkmalschutz stehende Kirche teilweise umgebaut.


GLOCKEN:


Im Turm hängen drei Glocken aus Stahl – Bronze war im Ersten und Zweiten Weltkrieg der Munitionsfertigung vorbehalten und wurden in der Bauphase beim Bochumer Verein für 14.700 Mark bestellt. Hinzu kamen noch 3.430 Mark für den Glockenstuhl.

Weil für Gussstahlglocken bei den Behörden kein Interesse bestand, haben die Glocken beide Weltkriege überstanden.


g‘

HOFFNUNG LASST NICHT ZU SCHANDEN WERDEN. / Röm. 5,5


e‘

DIE LIEBE HÖRET NIMMER AUF. / 1. Kor. 12,6


des‘

NUN WIR DENN SIND GERECHT GEWORDEN / DURCH DEN GLAUBEN SO HABEN WIR FRIEDEN / MIT GOTT UNSEREM HERRN JESUM CHRISTUM / Röm. 6,1


Vielen Dank an den Kirchdienst für die Erlaubnis sowie für das längere Läuten vor dem Gottesdienst.

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