Beschreibung der Videos

Inmitten der wunderschön am Inn gelegenen Barockstadt Schärding erhebt sich die kath. Stadtpfarrkirche St. Georg, in deren Turm sich ein bedeutsames Geläuteensemble aus dem 19. Jahrhundert erhalten hat. Die Neuanschaffung war notwendig geworden, als das Gotteshaus mitsamt seinen Glocken im Jahr 1809 zerstört worden war. Nachdem zur Anschaffung eines größeren Geläutes die finanziellen Mittel fehlten und die Kirche bis 1814 wiederaufgebaut werden musste, konnte zunächst nur eine kleine Notglocke vom Turm der Pfarrkirche erklingen, die im 1. Weltkrieg vernichtet wurde. Durch glückliche Umstände gelangte man schließlich 1838 zum Innsbrucker Hofglockengießer Grassmayr, der den Guss eines würdigen Geläutes zusicherte. Am 1. Oktober 1839 konnte dieses endlich entstehen, wie die Inschrift der großen Glocke belegt: "Mich und die drei noch zu mir stimmenden Glocken goss Johann Grassmayr zu Wilten nebst Innsbruck in Tirol im Jahre 1839. Grundton B. Terz D. Quint F. Oktav B." Gemäß der noch im selben Jahr erstellten Läuteordnung, die in großen Teilen bis heute gültig ist, erklingt bspw. das volle Geläute nur zu zwölf Anlässen im Kirchenjahr, daneben (früher) zum Geburts- und Namenstag des Kaisers. Wie wichtig den Einwohnern von Schärding ihr Geläute schon von Beginn an war, zeigte sich 1916, als man im 1. Weltkrieg vehement versucht hatte, die Glocken von kriegsbedingten Ablieferungen freizustellen. Eine wahrhaftige Zitterpartie - denn die "stadtgeschichtliche Bedeutung" reichte dem zuständigen Ministerium dafür nicht aus, auch das Urteil des damaligen Linzer Domkapellmeisters, dass seit dem Schärdinger Geläut kein weiteres so schönes Geläut ins Land gekommen sei, konnten die Abnahme nur aufschieben, nicht verhindern. Erst durch Intervention des Staatsdenkmalamtes gelang es, das Geläute zu erhalten. Doch nur wenige Jahre später, im Zweiten Weltkrieg gestaltete es sich nahezu unmöglich, einen Verbleib des Geläutes zu erwirken, sodass die Glocken 1942 abgeliefert werden mussten. Durch äußerst glückliche Umstände konnte das verlorengeglaubte Geläute 1947 unbeschadet vom Glockenfriedhof nach Schärding zurückkehren und gehört heute somit zu den wenigen Ensembles in Oberösterreich, die beide Weltkriege überstanden haben, wenn es nicht das Einzige ist. Daneben findet sich im Glockenstuhl noch die schmucklose Sterbeglocke, die, trotz ihres Alters, wohl zuletzt auf den Turm gekommen ist - sie wird regulär nicht mehr verwendet. Auch die große Glocke, welche das eigentliche Fundament des Ensembles bildet, erklingt heute aus statischen Gründen nur noch zu einem Anlass im Jahr: dem Osterfest; so ist das Festgeläut in Schärding nicht nur wegen des geschichtlichen Wertes der Glocken, sondern auch wegen seiner Seltenheit, ein besonderes Ereignis.

Gl. 1 | Ferdinandus Maria Anna | b⁰ | 2397 kg | 1630 mm | Johann Grassmayr, Innsbruck (1839)
Gl. 2 | Georg | d' | 1254 kg | 1300 mm | Johann Grassmayr, Innsbruck (1839)
Gl. 3 | Maximilian | f' | 743 kg | 1090 mm | Johann Grassmayr, Innsbruck (1839)
Gl. 4 | Gregorius Theophilius | b' | 319 kg | 820 mm | Johann Grassmayr, Innsbruck (1839)
Gl. 5 | Sterbe | b" | 50 kg | 445 mm | unbz. (um 1600)
Aufteilung: Gl. 1-2 unten, 3-5 oben.

Als Gutshof der nahegelegenen Stadt Passau wurde Schärding bereits im Jahr 804 erstmals erwähnt. Sicherlich bestand zu diesem Zeitpunkt auch schon eine Kapelle. Pfarrort wurde Schärding allerdings erst, als die Pfarre St. Weihflorian 1308 hierhin verlegt wurde. Um 1307 entstand also auch ein erster, größerer Kirchenbau, von welchem sich das Turmportal erhalten hat. Über Jahrhunderte hinweg diente die gotische Kirche als Gotteshaus, wurde aber 1703 im Spanischen Erbfolgekrieg stark beschädigt und konnte erst bis 1726 im barocken Stil neu errichtet werden. Doch nur knapp hundert Jahre später brannte nicht nur das Gotteshaus, sondern nahezu die gesamte Stadt durch französischen Beschuss im Zuge der napoleonischen Kriege abermals aus und musste bis 1814 aufwändig wiederhergestellt werden. Aus dieser Zeit hat sich auch der marmorne Hochaltar erhalten können, welchen das Altarbild der Geburt Christi ziert. Von den zwischenzeitlichen Veränderungen am Kirchenbau ist stellvertretend wohl die Restaurierung von 1975 bis 1979 mit Wiederherstellung des barocken Innenraumes hervorzuheben, in deren Rahmen auch die neue Pircher-Orgel entstand. So bildet St. Georg damals wie auch heute den Kern der barocken Stadt, die mit ihren Bürgerhäusern, pittoresken Plätzen und nicht zuletzt ihrer malerischen Lage am Inn überzeugt.

Ablauf des Videos:
00:00 Eindrücke der Kirche, Geläut "von außen"
02:15 Einzelglocken
11:20 Festgeläute aller Glocken

Herzlich danken möchte ich Pfr. Bachleitner für die freundliche Ermöglichung der Aufnahme und Felix für das schöne Wochenende.
Quellen:
Glockenweihe in Schärding am 23. Oktober 1839, in Der Sammler 2 Nr. 7-8 (1906); daneben
https://www.dioezese-linz.at/pfarre/4373/pfarrkirche, abgerufen 26.10.21.
Text, Ton und Bild: Ben Schröder, "Glockenzeit".


#glocken #steiermark #schwarzautal

Es sind die vier Glocken der Pfarrkirche zum hl. Dionysius aus Wolfsberg im Schwarzautal in der Südsteiermark.

Programm:
00:00 Stundenschlag
01:05 Glocke 4
02:12 Glocke 3
03:17 Glocke 2
04:40 Glocke 1
06:03 Vollgeläute

Die Gemeinde Wolfsberg im Schwarzautal liegt im südoststeirischen Hügelland im Schwarzautal im Bezirk Leibnitz. Auf einer Anhöhe oberhalb des Ortes befindet sich die Pfarrkirche Wolfsberg, geweiht dem Heiligen Dionysius. Die Kirche wurde erstmals im Jahr 1269 urkundlich erwähnt. Zwischen 1733 und 1739 wurde sie unter der Leitung des Baumeisters Johann Georg Stengg neu errichtet, wobei Teile des älteren gotischen Chors erhalten blieben. In den Jahren 1969 und 1970 erfolgte eine umfassende Generalsanierung des Gebäudes. Architektonisch besteht die Kirche aus einem Langhaus und einem eingezogenen Chor mit gotischem Ursprung und einem Fünfachtelschluss. Die Westfassade wurde nach Hangrutschungen im 19. Jahrhundert mit schrägen Stützmauern gesichert. Im Inneren besitzt das Langhaus zwei querrechteckige Joche mit kuppelartigen Gewölben und Seitenkapellen, während der Chor barock überwölbt ist. Zur Ausstattung der Kirche gehören ein spätbarocker Hochaltar, der 1973 aus der Pfarrkirche Neudau hierher übertragen wurde, sowie Figuren der vier Evangelisten vom ursprünglichen Hochaltar aus dem Jahr 1693. Die Seitenaltäre enthalten teilweise Figuren des Bildhauers Philipp Jakob Straub, und die Kanzel stammt aus dem Jahr 1738. Die heutige Orgel der Pfarrkirche Wolfsberg wurde 2012 durch die Diözesane Orgelbauanstalt Marburg erbaut und besitzt 20 Register.
Der reich gegliederte Fassadenturm trägt einen Helm aus dem Jahr 1756. Im Glockengeschoss lassen sich heute vier Glocken finden. Die kleinste Glocke stammt noch aus dem Geläute der Zwischenkriegszeit und wurde durch Karl Kutter in Wien gegossen. Im zweiten Weltkrieg mussten wiederum die anderen Glocken abgegeben werden, die Kutterglocke durfte jedoch als Sterbeglocke im Turm bleiben. 1949 wurden drei Glocken bei Grassmayr in Innsbruck bestellt und aufgezogen - womit das heutige Geläute kompletiert ist. In den 80er/90er-Jahren wurden sämtliche Amaturen ausgetauscht. Die Glocken hängen heute in einem Stahlglockenstuhl an gekröpften Stahljochen mit Gegengewichtsklöppeln. Der Klöppel von Glocke 2 wurde unlängst ausgetauscht und durch den heutigen der Firma Wensauer ersetzt.

Die Glocken:
1: Glockengießerei Grassmayr, Innsbruck - 1949 - es'
2: Glockengießerei Grassmayr, Innsbruck - 1949 - g'
3: Glockengießerei Grassmayr, Innsbruck - 1949 - b'
4: Karl Kutter, Wien - 1922 - c"

Ein herzliches "Vergelts Gott" sei der sehr netten Pfarrsekretärin für die Ermöglichung der Dokumentation, sowie meinen Begleitern gesagt!

Fotos, Video- und Tonaufnahme: M. R.
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Quellen:
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Pfarrkirche_Wolfsberg_im_Schwarzautal
Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich
Eigene Sichtung 2025

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