Beschreibung der Videos

Das Wildsteiger Geläut besteht aus vier wertvollen Bronzeglocken, die der bekannte Augsburger Glockengießer Friedrich Hamm 1906 gegossen hatte. Zu ihrer Finanzierung hatten 126 Wildsteiger Familien rund 60.000 € (in heutiger Währung) gespendet; den Kaufpreis von weiteren rund 30.000 € bezahlten sie mit dem Erlös für ihr altes Geläut.

Das am 3.Mai 1906 von Eduard Lampart erstellte Gutachten attestierte dem Geläute folgende Eigenschaften:

"Sämtliche 4 Glocken zeichnen sich durch einen außerordentlich gut gelungenen Guss aus. Der Ton ist trotz aller Wucht u. Stärke weichklingend und singend. Die Stimmung ist rein. Die Nebentöne stützen den Hauptton in wirksamster Weise, weshalb der Zusammenklang des Gesamtgeläutes von prächtigster Wirkung ist.
Das Geläute mehrt das Ehrenbuch des Herstellers Hamm um ein neues Blatt und verkünde der opferwilligen Gemeinde Wildsteig recht viel des Freude-, Glück- u. Segenbringenden!"

Bevor die Glocken in einem Festzug von Steingaden aus nach Wildsteig gebracht wurden, präsentierte Friedrich Hamm sie in Nürnberg bei der dortigen Großen Bayerischen Landesausstellung. Täglich läuteten sie um 12 Uhr mittags im Ausstellungspark. Bei der Prämierung der Aussteller in Nürnberg am 11. September 1906 erhielt der Glockengießer Hamm als Auszeichnung für seine "vorzüglichen" Glocken eine Goldene Medaille.

Dank dieser Goldmedaille blieben die Wildsteiger Glocken im Ersten Weltkrieg von der Ablieferung verschont. Aber im zweiten Weltkrieg wurden die drei größeren von ihnen - wie rund 100.000 andere Glocken in Deutschland und den besetzten Nachbarländern - konfisziert und als Metallreserve für die Kriegsführung abtransportiert. Während man in den deutschen Hüttenwerken ab dem Jahre 1942 rund 80.000 Glocken einschmolz und eine große Zahl weiterer Glocken den Bombenangriffen der Alliierten zum Opfer fiel oder in sonstiger Weise zerstört wurde, überstanden die drei Wildsteiger Glocken ihre fünfjährige Lagerzeit unversehrt im "Hamburger Glockenfriedhof". Von dort kehrten sie im Sommer 1947 nach einer abenteuerlichen Reise in ihre Glockenstube zurück. Die Dorfbewohner bereiteten ihnen einen begeisterten Empfang.

Seither erklingt das Glockenquartett wieder vollständig in seiner ganzen Schönheit. Als Ergebnis einer klangphysikalischen Untersuchung im Juli 2005 schrieb der Münchner Kirchenmusikdirektor Gerald Fischer u.a.: "Wildsteig besitzt damit nicht nur ein qualitativ sehr gutes Geläute, sondern auch eines der ganz wenigen überlieferten Gesamtensembles aus der Zeit direkt vor dem Ersten Weltkrieg..... handelt es sich hier doch um ein einmaliges Klangdokument des frühen 20. Jahrhunderts mit allerhöchstem Seltenheitswert."

Als Besonderheit erfolgt in Wildsteig das Einläuten des Sonntags bereits am Samstagmittag direkt nach dem Angelusläuten.

Disposition:

Glocke 1 d´
Herz-Jesu-Glocke
24 Zentner 40 Pfund
Fusa ex sumptibus communitatis Wildsteig sub Leopoldo Baderhuber,
Decano et parocho, per F. Hamm, Augsburg, anno 1906.
Cor Jesu sacrissimum, misere nobis

Glocke 2 e´
Angelus- oder Wetter-Glocke
17 Zentner 90 Pfund
Sta. Maria, Ste. Joseph, Ste. Donate, orate pro nobis, ut liberemur
a fulgure et tempestate. Me fudit F. Hamm, Augsburg, anno 1906. Nr. 1349

Glocke 3 fis´
Meßglocke oder 11-Uhr-Glocke
etwa 12 Zentner
Ste. Jacobe, Ste. Antoni, Sta. Barbara, intercredite pro nobis, ut ad
coelestem patriam feliciter pervenire valeamus. Me fudit F. Hamm,
Augsburg, anno 1906. Nr. 1348

Glocke 4 a´
Armeseelen-Glocke
etwa 8 Zentner
Intercessio gloriosissimi S. Sebastiani, S. Franzisci Xaverii et
S. Margarethae protegat nos ab omni malo. Me fudit F. Hamm,
Augsburg, anno 1906. Nr. 1347


Es läuten die 5 Glocken der Pfarrkirche zur Hl. Margaretha aus Buch im Tiroler Unterinntal.

Stimmung:

d' e' fis' a' h'(+)

Gießer:

Gl. 1-4 Glockengießerei Franz Oberascher, Salzburg (1948)
Gl. 5 Glockengießerei Grassmayr, Innsbruck (1923)

Eine vorbildlich eingestellte Anlage mitsamt einem für Tirol angemessenen Läutewinkel!

Da ich über die Pfarrkirche von Buch keine Beschreibung fand, hier nun folgende Geschichte.

Von einem spannenden Buch in Tirol

Die Geschichte der Tiroler Gemeinde Buch zieht einen genauso in den Bann wie es das gleichnamige Druckwerk manchmal schafft. Der Ort ist nicht nur Heimat einer ehemals bedeutenden Burg, sondern auch von der einzigen Landesheiligen und dem größten Baum Tirols.

Spannend, aufregend und von Höhen und Tiefen geprägt, so oder so ähnlich könnte der Klappentext von Buch in Tirol lauten. Die Geschichte des 2.500-Einwohner-Ortes ist nämlich alles andere als langweilig und beinhaltet auch eine sagenumwobene Schutzpatronin.

Buch liegt im Unterinntal, südlich des Inns. Neben dem namensgebenden Ort Buch besteht die Gemeinde noch aus den Dörfern St. Margarethen und Maurach, einem Teil von Rotholz und dem am Berghang gelegenen Troi.

Rottenburg war Tirols wirtschaftliche Drehscheibe

Am bekanntesten ist Buch wohl für die Rottenburg, die oberhalb der Gemeinde in Rotholz liegt und heute allerdings zur Ruine verfallen ist. Sie wurde 1149 erstmals urkundlich erwähnt und war im Mittelalter die wirtschaftliche Drehscheibe und das Verwaltungszentrum Tirols. Bedeutung erlangte die Burg durch das Adelsgeschlecht der Rottenburger, denen sie als Stammsitz diente. Diese stiegen zu einem der mächtigsten Geschlechter Tirols auf und hatten sogar Besitztümer im heutigen Südtirol.

Im Jahr 1407 kam es allerdings zum Bruch zwischen Graf Heinrich VI. von Rottenburg und dem Landesfürsten Herzog Friedrich von Tirol. In dem Zuge verloren die Rottenburger ihre Burg, die daraufhin zur Ruine verfiel. 1460 wurde sie zwar als Sitz des Landesgerichtes wieder errichtet, 1594 wurde das Gericht allerdings nach Rotholz verlegt und die Festung dem Verfall preisgegeben.

Die Sage der Hl. Notburga

Untrennbar mit der Geschichte des Burg verbunden ist die Heilige Notburga, die dort im 13. Jahrhundert als Wirtschafterin tätig war. Ihr soziales Engagement führte zu dauernden Konflikten mit der Schlossherrin. Notburga wurde eines Tages entdeckt, wie sie den Armen Brot und Wein bringen wollte, diese sollen sich dann in Lauge und Sägespäne verwandelt haben.

Eine weitere Sage soll sich in Eben am Achensee zugetragen haben, dorthin wurde Notburga nämlich von der Schlossherrin von Rottenburg geschickt um als Magd zu arbeiten. Als der Bauer sie aufforderte, nach dem Abendläuten weiter am Feld zu arbeiten, soll sie ihre Sichel in die Luft geworfen haben und diese blieb an einem Sonnenstrahl hängen. Daraufhin ließ sie der Bauer ziehen. Dies machte sie zur Patronin der Dienstmägde und der Landwirtschaft.

Notburga starb 1313 auf der Rottenburg, auf die sie nach dem Tod der Schlossherrin zurückkehrte. Auf Initiative von Graf Ludwig Penz wurde 1957 aus Teilen der umherliegenden Steine der Ruine die Notburga-Kapelle errichtet.

Nicht nur die Kapelle erinnert an die Schutzpatronin, sondern auch die 200 Jahre alte Notburga-Fichte, die am Areal des Schlosses steht und mit einer Höhe von 58 Metern der größte Baum Tirols ist.

Rätselhafte Namensgebungen

Es ist unklar, ob das Adelsgeschlecht nach der Burg oder die Burg nach dem Adelsgeschlecht benannt wurde. Ersteres scheint aber logischer, da die Anlage aus dem lokalen roten Buntsandstein erbaut ist.

Nicht geklärt ist auch woher der Ortsname Buch kommt. Dass er womöglich eher von dem gleichnamigen Laubbaum, als tatsächlich von dem gebundenen Druckwerk kommt, ist aber wahrscheinlich. Dafür spricht auch das Wappen, das eine rotblättrige Buche vor gelbem Hintergrund zeigt.

Kupfer und Silber abgebaut

Ersten Aufschwung nahm Buch im 15. Jahrhundert durch den Bergbau von Kupfer und Silber. Zahlreiche Stollen oberhalb des Ortes Troi zeugen noch heute von den Bergknappen, die sich hier ansiedelten. In der Blütezeit des Bergbaus wurde es daher notwendig, die katholische Pfarrkirche von St. Margarethen zu vergrößern.

Heute ein beliebtes Ausflugsziel

Heute ist Buch, vor allem die Rottenburg, ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel. Zur Schlossruine führt sogar ein Bibelweg. Als Geheimtipp gilt der Bucher Wasserfall, der vom Gasthof Bucherwirt in 20 Minuten zu Fuß erreichbar ist. Der nahe gelegene Achensee bietet außerdem eine Reihe von Ausflugs- und Freizeitmöglichkeiten. Also nicht nur im Buch lesen, sondern gleich nach Buch fahren!

Quelle: (https://www.kommunalnet.at/news/einzelansicht/von-einem-spannenden-buch-in-tirol.html)

Ein herzliches Dankeschön dem freundlichen Mesner sowie auch meinem Begleiter!

Tags

Mehrere Videos parallel von Quintade8, Oberlandglocke mit Glocken, Glocke, Geläute, Friedrich, Hamm, Fritz, Augsburg, Wildsteig,