Beschreibung der Videos
Bereits 1894 wurde der Bau einer neuen Pfarrkirche beschlossen. Begonnen wurde mit dieser Kirche aber erst 1902. Sie wurde im neoromanischen Stil erbaut und 1906 konnte man diesen Bau abschliessen. Sie löste für eine gewisse Zeit die in Hörweite stehende Martinskirche als Pfarrkirche ab. Über die beiden Weltkriege gingen jeweils alle Glocken verloren. 1956 goss schliesslich Friedrich Wilhelm Schilling ein neues 7-stimmiges Geläute auf as°. Dieses findet im gewaltigen fast 70m hohen Turm mehr als ausreichend Platz. Das Geläute wurde mit einer Quarte zwischen as° und des' konzipiert, im Turm könnte man aber noch locker eine b° unterbringen.
Daten zum Geläut:
Disposition: as° des' es' f' as' b' des''
Gussjahr: 1956 von F.W. Schilling
Glocke 1
Ton: as° -8/16
Gewicht: 5'300kg
Ø: 1980mm
Glocke 2
Ton: des -8/16
Gewicht: 2'058kg
Ø: 1456mm
Glocke 3
Ton: es' -8/16
Gewicht: 1'380kg
Ø: 1284mm
Glocke 4
Ton: f' -10/16
Gewicht: 1'088kg
Ø: 1178mm
Glocke 5
Ton: as' -8/16
Gewicht: 585kg
Ø: 972mm
Glocke 6
Ton: b' -8/16
Gewicht: 398kg
Ø: 857mm
Glocke 7
Ton: des'' -8/16
Gewicht: 304kg
Ø: 775mm
Ein herzlicher Dank geht an den Stiftungsrat für die Ermöglichung der Aufnahme und die Begleitung.
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Inmitten der Hansestadt Lüneburg steht St. Johannis, welche der älteste Sakralbau der Stadt ist und ein bedeutendes Werk der norddeutschen Backsteingotik darstellt. Weitere Infos zur Kirche und zur Orgel befinden sich in den Kommentaren.
Der Turm der Kirche beherbergt eines der größten Geläute Niedersachsens sowie einen der größten erhaltenen historischen Glockenbestände Norddeutschlands. Dem Geläut voran geht die 1436 gegossene Apostelglocke. Geschaffen wurde sie von Ghert Klinghe, welcher auch für den Bremer Dom die Gloriosa goss. Die Apostelglocke ist die größte noch erhaltene Glocke des Gießers. Zudem goss er auch die große Schelle. Es folgte im Jahr 1516 zunächst die große Stundenglocke, und drei Jahre später die kleine Schelle. Beide wurden vom Gießerschüler van Wous, Hinrik van Kampen gegossen. Im Jahr 1600 folgte die Viertelstundenglocke, im Jahr 1607 dann die Probeglocke, welche von Paul Voss gegossen wurde. Den Abschluss der historischen Glocken macht die 1718 von Christoph Ziegener gegossene Sonntagsglocke, welche ein für die Barockzeit äußert schweres Instrument ist. Aufgrund eines großen Risses in Apostelglocke, welcher 1982 festgestellt wurde, wurde die Glocke 1984 geschweißt. Nachdem dann 2008 die Probeglocke sprang, entschied man sich für einen Austausch der Läuteanlage sowie für den Zuguss der Bet- und der Taufglocke. Aufgrund einer großzügigen Zuwendung konnte im laufenden Projekt der Hinzuguss der im ersten Weltkrieg abgegebenen Wachtglocke mit auf die Agenda gesetzt werden. Als Künstler für die Glockenzier wurde Dieter Eisenhardt herangezogen, welcher die Glocken sehr hübsch eingeziert hat. Interessant ist dabei die unterschiedliche Herangehensweise bei den einzelnen Glocken. Die Wachtglocke hat, an der Apostelglocke orientiert, und vorder- und rückseitig ein Bildnis sowie ein Spruchband an Schulter und Schlagring. Ein interessantes Detail sind die drei Innenstadttürme, welche sehr klein und detailliert im rückseitigen Bildnis zu erkennen sind. Zudem sind die Kronenhenkel ebenfalls mit unterschliedlichen Figuren versehen. Die Betglocke beinhaltet das gesamte Vater Unser, dargestellt in einer Kreuzform. Die Taufglocke, welche m. M. n. die beste der drei neuen Glocken (und auch eine der besten Bachertglocken) ist, ziert das für Eisenhardt typische Netz, welches vorder- und rückseitig jeweils ein Bildnis einrahmt. Zudem wurden die Apostelglocke und die kleine Schelle gemeinsam mit der Probeglocke in Nördlingen bei Lachenmeyer geschweißt. Die historischen Glocken erhielten Doppelgelenkklöppel, die Bachertglocken klassische Bachertklöppel. Gesamt betrachtet ist zu diesem Geläut einiges zu sagen. Zunächst ist positiv anzumerken, dass durch den erweiterten Bestand die historischen Glocken geschont werden können, wobei zeitgleich eine größere Motivvielfalt möglich ist. Leider wird diese nur sehr begrenzt genutzt, sodass die Facetten des Geläuts nur wenig zur Geltung kommen. Zudem ist die Apostelglocke nur sehr verhalten vernehmbar. Leider ist zudem die Wachtglocke sowohl im Aussehen als auch im Klang nicht ideal. Nicht zuletzt sind die Holzjoche zunehmend rissig, und diese Risse sind zugekittet worden. Positiv hervorheben muss man an dieser Stelle jedoch noch einmal die Taufglocke, welche ein wirklich sehr hübsches Instrument ist. Zudem ist das Geläut im gesamten ein schönes Ensemble, welches sich gut zusammenfügt. Gerade die Schellen bringen einen sehr frischen Klang in das mächtige Fundament, sodass eine sehr charmante Mischung entsteht. Zudem lebt das Geläut davon, dass es vor der Glockenschonungswelle saniert wurde, da die relativ großzügigen Läutewinkel den Klang positiv beeinflussen.
Ablauf:
00:00 Bilderpräsi mit Außenaufnahme
10:09 Glocke 8 (dis'')
12:13 Glocke 7 (cis'')
14:57 Glocke 6 (fis')
18:10 Glocke 5 (e')
21:41 Glocke 4 (d')
25:22 Glocke 3 (cis')
29:11 Glocke 2 (h°)
34:10 Glocke 1 (a°)
39:09 Uhrschlag
39:42 Vollgeläut
Glockendaten:
Glocke 1: Wachtglocke
Ton: a°-4
Durchmesser: 2.089 mm
Gewicht: 6.965 kg
Gießer: Bachert / Karlsruhe
Gussjahr: 2014
Glocke 2: Apostelglocke
h°-8
1.955 mm
4.860 kg
Ghert Klinghe / Bremen
1436
Glocke 3: Sonntagsglocke
cis‘-3
1.604 mm
2.704 kg
Johann Christoph Ziegner / Lüneburg
1718
Glocke 4: Betglocke
d‘-1
1.543 mm
2.700 kg
Bachert / Karlsruhe
2013
Glocke 5: Probeglocke
e‘-2
1.354 mm
1.723 kg
Paul Voss / Lüneburg
1607
Glocke 6: Taufglocke
fis‘-2
1.223 mm
1.411 kg
Bachert / Karlsruhe
2013
Glocke 7: Große Schelle
cis''+6
880 mm
464 kg
Ghert Klinghe / Bremen
1436
Glocke 8: Kleine Schelle
dis''+6
762 mm
313 kg
Hinrich van Kampen / Lübeck
1519
Glockenmotiv: Eigenständig
Uhrglocken:
Glocke I: Stundenglocke
cis'-5
1.480 mm
1.860 kg
Hinrich van Kampen
1516
Glocke II: Viertelstundenglocke
c''-4
823 mm
360 kg
Andreas Heinecke
1600
Vielen Dank an alle Beteiligten für die Ermöglichung der Aufnahme!
Quellen: Wikipedia, Kirchengemeindehomepage, A. Philipp
Aufnahmedatum: 05.08.2026 (Sondergeläut)
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