Beschreibung der Videos
Drei mächtige Stahlglocken erschallen vom Kirchturm der evangelischen Christuskirche im Belgischen Viertel in Köln. Nachdem die Bronzeglocken, welche zur Kirchweihe gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegossen wurden, im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen werden mussten, beauftragte man 1923 den Bochumer Verein mit dem Guss dreier Stahlglocken, welche weder teuer noch kriegswichtig waren und somit der Gemeinde im erneuten Kriegsfall erhalten blieben würden und sollten. Mit einem Gewicht von knapp fünf Tonnen sind die Glocken das schwerste, evangelische Geläute in Köln. Klanglich ist das Geläute sowohl imposant, als auch harmonisch und rein. In kräftiger Lautstärke ruft es zu Gottesdiensten und läutet regelmäßig den Sonntag ein.
Gl. 1 | Wahrheitsglocke | h° | 1780 mm | Bochumer Verein (1923)
Gl. 2 | Freiheitsglocke | d' | 1510 mm | Bochumer Verein (1923)
Gl. 3 | Friedensglocke | e' | 1380 mm | Bochumer Verein (1923)
Die Christuskirche weist eine umfangreiche und besondere Geschichte auf. Der erste Kirchenbau wurde nach Rückbau der Stadtmauer von 1891 bis 1894 als erste evangelische Kirche Kölns, die ohne staatliche Mittel erbaut werden konnte, im neogotischen Stil errichtet.
Dieser prächtige, ursprüngliche Kirchenbau (00:22, links) wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg aufgrund seiner Nähe zum Westbahnhof vernichtet. Lediglich der hohe Turm überstand diesen verheerenden Angriff. Der Ersatzbau einer schlichten Saalkirche fand innerhalb 9 Monaten während des Jahres 1951 statt. (00:22, rechts). Schon um 1970 bestand erstmalig die Überlegung, das schlichte Kirchenschiff abzureißen. Nach mehreren Verwerfungen beschloss die Kirchengemeinde schlussendlich erst 2008 den kompletten Abriss des Kirchenschiffes und einen schmucklosen Neubau mit angegliederten Mietwohnungen, wurde aber zunächst von Protesten innerhalb der Gemeinde daran gehindert. Ab 2014 konnte der alte Kirchenbau abgerissen und bis 2016 die neuen Mietwohnungen und der verkleinerte Gottesdienstraum fertiggestellt werden.
Quellen der historischen und modernen Bildaufnahmen zu Videobeginn:
00:13 - Innenraum: https://www.ksta.de/koeln/innenstadt/koelner-neubau-christuskirche-am-stadtgarten-wird-im-september-fertig
00:22 - Außenfoto: Von Jernsk - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31227928
Herzlich Bedanken möchte ich mich bei Herrn Pfarrer Rollbühler für die Genehmigung der Aufnahmen und bei den Beteiligten Frauen für die Ermöglichung der Aufnahmen.
Aufgezeichnet am Sonntag, den 21. Juli 2019 zum Hauptgottesdienst.
Das letzte Geläut der Stadt Bielefeld, welches nach den beiden Geläuten der großen Innenstadtkirchen und jenem von Herz Jesu in Brackwede eine Glocke der °-Oktave beinhaltet, befindet sich im Turm der Pauluskirche.
Aufgrund eines starken Bevölkerungsanstiegs war ein Kirchenneubau nötig geworden, da die Altstädter Nicolaigemeinde nicht mehr die Menge der Menschen betreuen konnte. So entstand als erste Kirche seit Jahrhunderten auf Bielefelder Stadtgebiet von 1880 bis 1883 die Pauluskirche. Dazu soll gesagt werden, dass die evangelische Kirche in Ubbedissen und die Sareptakapelle in Bethel kurz vorher (in den 1870er Jahren) entstanden, beide jedoch erst später nach Bielefeld eingemeindet wurden.
Im Gegensatz zu der etwas später, nur einige hundert Meter entfernt errichteten kath. Kirche St. Joseph blieb die Pauluskirche in den beiden Weltkriegen glücklicherweise größtenteils verschont.
Aufgrund eines schlechten Zustandes wurde die Orgel vor einiger Zeit verkauft, sodass seitdem nur elektronisch gespielt werden kann.
Als erstes Geläut erhielt die Kirche drei 1882 von Rincker gegossene Glocken, welche im Paternostermotiv d'-e'-fis' erklangen. Diese wurden 1917 für Kriegszwecke eingeschmolzen. Den Ersatz lieferte 1920 der Bochumer Verein mit einem recht tiefen Geläut, welches "in Schweizer Verhältnissen" beinahe den gesamten Platz im Turm ausreizt. Die Inschriften wurden von den zerstörten Bronzeschwestern übernommen. Desweiteren befindet sich im Turm ein wieder (!) in Betrieb befindliches, mechanisches Uhrwerk der Firma Weule aus Bockenem von 1883. Dass der Uhrschlaghammer der Glocke 3 auf dieser aufliegt, wurde erst während der Aufnahme festgestellt.
Insgesamt handelt es sich um ein recht schönes Stahlgeläut der 1920er-Jahre, welches man in dem eher zierlich anmutenden Turm weniger nicht erwarten würde.
Glocke 1: Paulus, h°-3,5, 1920, Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation (BVG), Bochum
ca. 2250 kg, 1795 mm
Glocke 2: Luther, d'+4+, 1920, Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation (BVG), Bochum
ca. 1350 kg, 1487 mm
Glocke 3: Melanchthon, e'+3,5, 1920, Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation (BVG), Bochum
ca. 1080 kg, 1387 mm
Ablauf:
0:00 - Bilder der Kirche & Stundenschlag
1:20 - mechanische Turmuhr
2:33 - Glocke 3
4:40 - Glocke 2
6:50 - Glocke 1
9:50 - Vollgeläut
Ich möchte mich ganz herzlich bei Herrn Schulte für die Erlaubnis zur Aufnahme und bei Herrn Laude für die Ermöglichung und die aufschlussreichen Gespräche bedanken!
Quellen:
1: Wikipediaartikel "Pauluskirche (Bielefeld)": https://de.wikipedia.org/wiki/Pauluskirche_(Bielefeld)
(aufgerufen am 24. April 2022)
2: Harald Propach: Die Glocken von Bielefeld, 13. Sonderveröffentlichung des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, Bielefeld 2008
3: S. Schritt: Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation Bochum (BVG) 1851-1970, Vorläufiges Gesamtverzeichnis für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland, mit fortlaufender Ergänzung
Aufnahme:
Samstag, den 9. April 2022 (Sonderläuten)
Tags
Mehrere Videos parallel von glockenzeit, Luca Gans mit
köln glocken, köln glockenspiel, köln glockengeläut heute, christuskirche köln glocken, glockengeläut köln, christuskirche köln, belgisches viertel glocken, belgisches viertel, köln belgisches viertel glocken, köln evangelisch, glocken köln, glocken, kirchenglocken, glockenläuten, glocke, glockengeläute, geläute, glockenaufnahme, turmaufnahme, vollgeläute, glockenspiel, glockenklang, glocken weihnachten, glocke, glocken, geläut, geläute, bielefeld, paulus, ev., evangelisch, lutherisch, pauluskirche, Bochumer Verein, Bochum, 1920, h° d' e', BVG, UMS, Untermollsext, klang